Ein Mythos: Sind Schriftsteller einsam?

Kennt ihr das auch?

Wenn jemand fragt: „Was machst du am Wochenende?“ und du antwortest: „Ich bleibe zu Hause und schreibe.“

Kriegt ihr dann auch so einen mitleidigen Blick? Und eine Antwort wie: „Also wenn du möchtest, dann könnten wir ja [beliebige Aktivität einfügen].“

Meine Oma macht das sehr oft, lädt mich z.B. sonntags zum Essen ein, damit ich nicht so alleine bin und „mal raus komme“.

Ich komme jeden Tag raus, wenn ich zur Arbeit fahre, einkaufe, Sport mache oder mit meinem Sohn zum Fußballtraining muss! Was ich will ist: Zeit für mich zu haben!!!

Das viele Menschen dafür kein Verständnis haben, kommt daher, dass sie verlernt haben, einfach mal ohne Ablenkung allein mit sich selbst sein zu können. Immer läuft Musik, der Fernseher oder andere Menschen müssen da sein. Sie langweilen sich allein. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal wirklich gelangweilt habe.

Deshalb können sie nicht verstehen, dass ich gern allein sein MÖCHTE! um in Ruhe an meinem Buch zu arbeiten. Ja, ein Buch schreibt sich nun mal besser allein und nur weil man dabei Zeit ohne andere Menschen in einem geschlossenen Raum verbringt, heißt das noch lange nicht, dass man allein und noch weniger, dass man einsam ist!

Im Gegenteil: Man befindet sich am schönsten Ort der Welt. Einem, den man selbst erschaffen hat, dem man grüne Wiesen, steinige Strände, Wälder oder karge Wüsten hinzufügt, deren Bewohner man formt, ihnen eine Seele gibt und die sich manchmal gegen einen auflehnen, wenn man ihnen zu viele Stolpersteine in den Weg legt oder ihnen die Weichen zu einfach stellt. Auch wenn man dabei nur die Finger über die Tasten fliegen lässt, tut man dabei noch viel mehr. Man wird eins mit der eigenen Fantasie und wenn man sich darauf einlässt, entführt sie einen an Orte, die noch nie ein Mensch betreten hat.

Diese Momente sind nicht immer so harmonisch, manchmal würde man auch gern den Laptop aus dem Fenster werfen. Das kenne ich selbst nur zu gut.

Doch um etwas großartiges zu erschaffen, braucht man Zeit um sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Und das geht nur allein. Das ist keine Strafe, keine Selbstgeißelung und ganz bestimmt keine asketische Handlung. Ein Autor ist kein Zen-Mönch. Als Autor hat man manchmal einfach nur gern seine Ruhe, damit man mal wieder die eigenen Gedanken hören kann.

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